Geburtsbericht

Von vanessa.und.julian

Geburt am 17.10.2016

An ET+1 (16.10.16) haben wir uns einen ganz entspannten Tag gemacht, abends wollte ich nochmal baden, da es die letzten Male sehr entspannend war. Allerdings war mir die Hitze nach kurzer Zeit zu viel, was mir schon komisch vorkam. Dann verbrachte ich den Rest des abends auf der Couch, als es dann ins Bett ging, hatte ich das erste Mal den Gedanken "Leg doch mal eine wasserfeste Bettunterlage auf die Matratze". Außerdem war in dieser Nacht Vollmond und ich hatte gelesen, dass viele Babys bei Vollmond zur Welt kommen würden. Wobei ich auch nicht an Horoskope glaube und dem ganzen deswegen nur wenig Glauben schenken konnte. Die Nacht verlief dann sehr ruhig und ich habe sehr gut geschlafen. Um 4:28 drückte dann die Blase, als ich wieder im Bett lag spürte ich zweimal nacheinander einen kurzen heftigen Schmerz. Sekunden später merkte ich, dass die Fruchtblase geplatzt sein musste. Ich weckte meinen Mann mit den Worten "Schatz die Fruchtblase ist grad geplatzt".

Ich hatte jedoch keine Schmerzen/Wehen und war noch sehr entspannt und hatte die Ruhe weg. Bis mein Mann mich dazu drängte im Kreißsaal anzurufen. Die Hebamme am Telefon sagte, wir sollen uns ganz in Ruhe fertig machen und uns dann auf den Weg machen. 

Also ging ich erstmal noch ausgiebig duschen und packte den Rest der Kliniktasche zusammen. Mittlerweile merkte ich dann aber, dass ich in größeren Abständen ganz ganz leichte Wehen aufkamen, die jedoch nicht der Rede wert waren. Um 6:00 sassen wir im Auto und fuhren los zum Krankenhaus. Zum Glück noch vor dem Berufsverkehr und dem täglichen Stau auf der Autobahn. Ich überlegte noch wie lange es jetzt wohl dauern würde. Da ich mir sicher war, dass es ein Blasensprung war machte ich mir Gedanken, ob unser Baby noch am selben Tag oder erst einen Tag später zur Welt kommen würde. Jetzt gab es definitiv kein zurück mehr. 

Nachdem wir in der Zufahrtsstraße zum Krankenhaus einen Parkplatz gefunden hatten machten wir uns auf den Weg. Da es mir noch wunderbar ging konnte ich das Stück laufen und wir mussten nicht auf dem Storchenparkplatz parken. 

Um 6:45 kamen wir dann im Kreißsaal an. Als uns die Hebamme entgegen kam, die einige Wochen zuvor auch die Kreißsaalbesichtigung geleitet hatte, war ich sichtlich erleichtert. Denn ich hatte seitdem insgeheim gehofft, dass sie an dem Tag an dem es soweit sein sollte Dienst haben würde. Die Hebammen glaubten nicht so recht an einen Blasensprung. Sowieso sollte ich erstmal ans CTG. Also lag ich dann erstmal ca. 45 min am CTG. Dabei haben wir ganz aufmerksam die Zahlen auf dem Bildschirm verfolgt, wenn zu spüren war das wieder eine Wehe kommt. Ich habe die Wehen zwar gemerkt aber es war sehr gut auszuhalten. Danach kam die Ärztin, um einen Test auf Fruchtwasser zu machen und um den Muttermund abzutasten. Die Gesichtsausdrücke der Ärzte, wenn sie da rumfühlen, dabei an die Wand starren und sagen "mhhh aha... oh. Der Muttermund ist bei 5cm". Und ich dachte mir "Super, 5cm geschafft ohne das es wirklich weh tut. Das kommt dann ja noch früh genug." Zur Sicherheit sollte die Hebamme auch noch einmal abtasten..Beide waren sich einig: 5cm waren geschafft. Der Fruchtwassertest zeigte währenddessen auch ein positives Ergebnis an. Und als sie da noch so fühlte sagte sie was von "Vorblase" und in dem Moment ging diese Vorblase kaputt und ich stand quasi unter Fruchtwasser. "Sie bleiben auf jeden Fall heute hier. Ihr Mann kann die Tasche holen und dann können Sie die ins Zimmer stellen", worauf ich sagte "Ne ne wir wollen kein Zimmer, ich möchte ambulant entbinden, wenn es uns danach gut geht". Ich wurde noch mit Surfbrettern und Netzhöschen versorgt. Danach kam der bis dahin schlimmste Teil: Der Venenzugang. Pfui.. ich wollte den Zugang nicht sehen und konnte meine Hand nicht mehr benutzen. Außerdem brannte es. Und bei Nadeln und Blut kippe ich schnell mal um. Nachdem Venenzugang und Netzhöschen saßen und ich noch ein paar Globulis als Hilfe für die Öffnung des Muttermundes bekam, stellten wir die Kliniktasche, die mein Mann davor noch aus dem Auto geholt hatte, im Kreißsaal ab, denn wir sollten nun erstmal 1,5-2 Stunden spazieren gehen. 

Durch das platzen der Vorblase merkte ich die Wehen nun schon deutlich, so dass ich sogar auf dem Weg zum Aufzug kurz stehen bleiben musste. Aber mindestens 1,5 Stunden spazieren hatte ich ja nun vor mir. 

Draussen vor dem Krankenhaus angekommen rief ich meine Eltern an um mitzuteilen, dass sich ihr Enkel nun auf den Weg gemacht hat. Während des Gesprächs übergab ich das Handy allerdings schon einfach meinem Mann, da die Schmerzen nun von Wehe zu Wehe stärker wurden und ich nicht mehr telefonieren wollte. Durch die Anrufliste weiß ich, dass es zu dem Zeitpunkt 8:30 war (4 Stunden nach Blasensprung). CTG und Untersuchung hatten also ziemlich lang schon gedauert. Vom einen auf den anderen Moment fühlte ich mich vor dem Krankenhaus unwohl und nicht mehr gut aufgehoben. Außerdem brannte der Venenzugang und ich kämpfte auch dagegen an, dass mir alleine beim Gedanken an das Plastikröhrchen was in meiner Vene steckte nicht übel wurde. 

Um 8:40 waren wir dann wieder im Kreißsaal. Mir wurde angeboten noch etwas dort über den Flur zu spazieren, ich wollte jedoch einfach nur "in meinen Kreißsaal" und dort ein wenig für mich sein. Zudem war der Raum groß genug und ich konnte dort zwischen Kreißbett und Fenstern hin und her laufen. Die Schmerzen wurden nun wirklich vom einen zum anderen Mal heftiger. Mein Mann gab mir zwischen drin immer wieder eine Tasse mit Wasser. Gehen war sehr unangenehm, da auch das Köpfchen einen großen Druck ausübte. Im Liegen war es auch nicht auszuhalten. Ich stand also die meiste Zeit. Die Hebamme sagte, ich solle mich während einer Wehe mit beiden Händen auf dem Bett abstützen und veratmen. Zudem schloss sie mich nochmal ans CTG an. Ich habe mich dann so gut es ging mit einer Hand abgestützt, denn die andere war ja durch den Zugang außer Gefecht gesetzt. Dann sollte mein Mann die Hebamme rufen, ich wollte wissen ob es normal sei, dass es sooo schnell so heftig wird. Während einer Wehe hatte ich nun schon das Gefühl mein Kreislauf macht den Schmerz nicht mit. "Ja es kann schon sehr weh tun, gerade wenn das Köpfchen auf den Muttermund drückt". Ich dachte mir okay, du musst dich nicht quälen, daher wollte irgendwas gegen die Schmerzen haben. Sie holte einen Wehentropf und sagte beim anschließen "Och das blutet aber. Sie sind ja spendabel"-Too much information für mich.  Gleichzeitig bat ich um eine PDA, da ich ja wusste, bis alles unterschrieben ist, die PDA mit Testdosis gespritzt wird und dann anfängt zu wirken, dauert es. Also stand ich erstmal neben dem Bett mit Kabeln vom CTG und der Infusion. Die Schmerzen waren kaum noch auszuhalten. Die Ärztin kam und klärte mich über die PDA auf. In dem Moment hätte sie mir aber auch einen Toaster verkaufen können. Ich hätte alles unterschrieben. Dann sollte ich schon einmal das Krankenhaushemdchen anziehen. Ich hatte das Gefühl auf Toilette zu müssen, die Hebamme sagte ich solle ruhig gehen, dann wäre die Blase schon einmal leer. Und man müsste sie wegen der PDA dann nicht mit einem Katheter entleeren. Bis ins "Bad" vom Kreißsaal schaffte ich es aber nicht und ich klagte darüber, dass es so unwahrscheinlich drücken würde und ich den Drang habe zu pressen. 

Sie untersuchte dann noch einmal den Muttermund um zu wissen wieviel sich jetzt schon verändert hatte... und tadaa wir waren bei 10cm. Mittlerweile war es ca. 10:15. Ich durfte dem Druck nun nachgeben und sollte dann drei Wehen im Stehen veratmen bzw. durfte auch leicht dem "Pressdrang" nachgeben. Als die drei Wehen im Stehen endlich überstanden waren durfte ich mich legen. Und das CTG wurde wieder angeschlossen. Am liebsten hätte ich darauf verzichtet, denn die Gurte drückten stark auf den Bauch und ich hatte das Gefühl dadurch zusätzlich weniger Luft zu bekommen. Die Hebamme bestand jedoch darauf, dass es dran bleiben musste um die Herztöne während der (Press-)Wehen im Blick zu haben. Die Hebammenschülerin bereitete schon alles (Nabelschnurklemmen, Schere ect. vor) und ich wusste "wenn das schon alles ausgepackt wird kann es nicht mehr lange dauern". Die Hebamme gab mir nochmals Globulis, die ich ohne zu hinterfragen in den Mund kippte. So lag ich dann also quasi "gebärbereit" auf dem Kreißsaalbett. Die Hebamme sagte auf einmal "Er hat ganz viele dunkle Haare". WTF wie zur Hölle sieht sie das jetzt schon. Aber ich freute mich. Ein Baby mit Haaren habe ich mir gewünscht. Mittlerweile war auch die Ärztin wieder im Zimmer und die Hebamme gab mir genaue Anweisungen wie stark ich pressen sollte. Ich folgte ihren Anweisungen und vertraute dabei auch darauf, dass der Körper für Geburten ausgelegt ist. Nach 3-4 Presswehen und einem daraufhin "langsamen rausschieben" war unser Sohn am 17.10.16 um 10:36, fast genau 6 Stunden nach Blasensprung und 2 Stunden nach der ersten wirklich schmerzhaften Wehe geboren. Sofort schrie sofort seine kleinen Lungen frei und würde mir auf die Brust bzw den Bauch gelegt. Mein Mann schnitt die Nabelschnur durch und wir waren überwältigt, dass es in so kurzer Zeit geschafft war.

 Nachdem ich noch an zwei Stellen mit jeweils 3 Stichen genäht wurde, wurden wir erstmal für eine Stunde alleine gelassen. Dann wurde der kleine Mann vermessen und gewogen: 50cm, 34cm KU und 3320g. Zahlen die ich mein ganzes Leben nicht mehr vergessen werde. Der Venenzugang, den ich zwischenzeitlich vergessen hatte, wurde entfernt und wir wurden einige Zeit später für den Rest des Aufenthaltes auf die Station verlegt, da an diesem Tag so viel los war und sie den Kreißsaal brauchten. Im Zimmer konnte ich mich frisch machen und auf die Kinderärztin warten. Da es uns beiden wunderbar ging haben wir uns dann um 16:30 auf den Weg nach Hause gemacht. 

Ich danke dir für deinen wundervollen Bericht über deine ambulante Geburt. Ich wünsche euch eine schöne Kuschelzeit und alles Gute für die Zukunft.

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