Geburtsbericht

Von Nathalie mlle.chaleau

Geburt von Johan

Mein Schwangerschaft war total schön und bis zum Schluss (fast) komplikationslos.

 

Ein paar Tage vor dem ET habe ich Oberbauchschmerzen bekommen, die ständig stärker wurden.

Als „Notfall“ konnten wir allerdings nicht in mein Wunschkrankenhaus, sondern mussten in die große Klinik.

 

Meine Leberwerte waren gestiegen, was auf eine Präeklampsie hindeuten könnte.

Die Ärztin sagte mir das sie mich gerne einleiten würde, da ja der ET bereits in fünf Tagen und mit so einer Präeklampsie nicht zu spaßen sei. Also bekam ich ein Zimmer.

 

An diesem Dienstagmittag um 12Uhr wurde ich mit einem Gel, was auf den Muttermund aufgetragen wird, eingeleitet.

Ehrlich gesagt, habe ich nicht damit gerechnet das es wirkt, aber bereits nach 3-4 Stunden merkte ich erste, leichte Wehen.

Ich musste alle drei Stunden in den Kreißsaal, um am CTG die Wehentätigkeit überprüfen zu lassen.

Die Wehen wurden bis zum Abend intensiver.

 

Gegen 20Uhr verabschiedete sich mein Freund und ich ging schlafen, zumindest versuchte ich es.

Obwohl die Wehen in der Nacht nur leicht spürbar waren, fand ich wieder kaum Schlaf.

Neuer Tag, Neues Glück. Mein Freund kam gegen halb 9 in die Klinik und ich wurde wieder mit dem Gel eingeleitet.

Genau wie am Tag zuvor spürte ich kurz darauf Wehen, nur dieses Mal waren sie intensiver.

So intensiv, dass ich einige veratmen musste.

 

Als ich um ca. 12.30Uhr am CTG lag und den Knopf drückte, damit die Hebamme das CTG abstöpselt, spürte ich einen Knall in meinem Bauch. Um genau zu sein fühlte es sich so an als wäre eine riesen Kaugummiblase in mir geplatzt. Das fühlte sich seltsam, verrückt an.

Die Hebamme meinte es sei gut möglich, dass das ein Blasensprung war, konnte es aber nicht mit Sicherheit sagen.

Die Wehen waren nun wieder etwas schwächer, weshalb mein Freund und ich in die Cafeteria gehen wollten. So war der Plan...

 

In dem Moment wo mein Freund den Kaffee brachte und ich mich setzen wollte, spürte ich eine heftige Wehe und wieder ein „Platzen“. Nichts passierte.

Dann, ca. eine halbe Minute später genau das Gleiche, nur das diesmal mit dem Platzen ein großer Schwall Fruchtwasser aus mir rauslief.

Ich bin sofort total nervös geworden und sagte zu meinem Freund das wir sofort in den Kreißsaal müssen.

Irgendwie habe ich wohl gedacht das unser Baby nun jede Minute aus mir rausplumpsen würde.

So hektisch war ich.

Im Kreißsaal sahen sie das Ganze natürlich viel entspannter und sagten mir das es trotzdem noch

1-2 Tage dauern könnte.

Von jetzt an wurden die Wehen deutlich intensiver und ich musste jede Wehe veratmen.

Der Rest des Tages zog sich so hin, ziemlich heftige Wehen in 3-7min Abständen.

Mein Muttermund war jetzt, nach 1 ½ Tagen bei 1cm, das war nicht gerade motivierend.

Mein Freund und ich blieben im Kreißsaal und ich stieg in eine Badewanne.

Zu diesem Zeitpunkt waren wir zig Mal im Kreißsaal gewesen und hatten einige Hebammen kennengelernt. Jede Einzige von ihnen war sehr freundlich, kompetent und einfühlsam.

Ich hatte zuvor so viele schlimme Geschichten über diesen Kreißsaal gehört und war nun so erleichtert das ich mich doch so wohl und gut aufgehoben fühlte.

In der Badewanne wurden die Wehen nochmal deutlich stärker und gleichzeitig tat das warme Wasser wirklich gut.

 

Nach fast drei Stunden in der Wanne entschied ich mich raus zusteigen und mich nochmal an das CTG anschließen zu lassen.

Plötzlich gingen die Wehen spürbar zurück.

Dann bestätigte sich bei der Untersuchung mein Verdacht, der Muttermund war immer noch bei etwas über 1 cm. Ehrlich gesagt war das in dem Moment sehr demotivierend für mich und ich musste meine Tränen zurückhalten. Da spielte ich das erste Mal ernsthaft mit dem Gedanken nach einer PDA zu fragen. Gar nicht wirklich wegen der Schmerzen, eher weil ich einfach am Ende meiner Kräfte war.

Die Hebamme schickte meinen Freund nach Hause, damit er nochmal Kraft tanken konnte.

Zu mir sagte sie ich soll mich schlafen legen und ich könne jeder Zeit wieder in den Kreißsaal kommen.

 

Es war nun Donnerstag, ca. 0.30 Uhr und ich legte mich in mein Bett. An Schlaf war nicht zu denken.

Dann wurden die Wehen plötzlich sehr stark und kamen sehr regelmäßig, alle 2 min.

Ich wanderte dann noch auf Station etwas hin und her, um meine Bettnachbarin nicht zu stören und entschied mich gegen 2Uhr in den Kreißsaal zu gehen.

Die Wehen waren so heftig das ich alle 2 min stehen bleiben und mich festhalten musste.

Im Kreißsaal angekommen untersuchte mich die Hebamme und teilte mir mit, dass mein Muttermund nun bei fast 2cm sei.

Jetzt konnte ich meine Gefühle wirklich nicht mehr zurückhalten und weinte los.

Ich bat um eine PDA, woraufhin die Hebamme versuchte mich zu überreden damit noch zu warten.

 

Seit über 40 Stunden war ich nun hier und hatte fast die ganze Zeit Wehen, mal schwächer, mal stärker. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mir wirklich nicht vorstellen das länger ohne Medikamente und Schlaf tatsächlich durchzustehen.

Etwas widerwillig rief die Hebamme die Ärztin. Als die in das Behandlungszimmer kam, guckte sie mich erschrocken an. Sie war ziemlich verwundert das ich immer noch hier war, da wir doch vor knapp 2 Tagen schon eingeleitet hatten und ich auch schon starke Wehen hatte.

Die Ärztin rief ein Anästhesisten-Team, um mir eine PDA zu setzen und ein Wehenmittel zu geben.

Die Spritze war unangenehm, aber absolut aushaltbar. Als die PDA richtig saß bin ich sofort eingeschlafen, das war gegen 3Uhr. Die pure Erlösung.

 

Mein Schlaf im Kreißsaal war recht unruhig, aber trotzdem sehr erholsam.

Richtig wach wurde ich um 8Uhr.

Eine Hebamme und eine Schülerin im 3.Ausbildungsjahr stellten sich mir vor und untersuchten mich.

Der Muttermund war nun bei 8cm!

Daraufhin rief ich sofort meinen Freund und meine Mutter an. Beide wollten mich bei der Geburt begleiten.

 

Bis ca. 10.30Uhr sollte ich mich im Bett so viel bewegen wie möglich, also wechselte ich oft die Position und schaukelte mit dem Becken.

Dann sollte ich anfangen langsam mitzupressen. Die PDA war sehr gut gestochen, also hatte ich keine Schmerzen. Allerdings spürte ich trotzdem den Druck der Presswehen und konnte so gut mithelfen.

Mit jedem Pressen spürte ich wie mein Baby weiter runter rutschte, bis ich sogar seine Haare fühlen konnte.

Das Pressen war schon sehr anstrengend, aber die ganze letzte Phase der Geburt habe ich sehr schön in Erinnerung. Ich hatte genug Kraft, keine Schmerzen mehr und konnte bei den Presswehen gut mithelfen.

Dann wurde die Ärztin dazu gerufen. Die kam sehr gestresst in den Kreißsaal, weil sie eigentlich im OP stehen müsste und plötzlich bewegte sich bei mir nichts mehr. Totaler Stillstand. Insgesamt fünf Leute starrten mich erwartungsvoll an, aber nichts passierte. Deshalb drückte ich ohne Wehen weiter und kurz darauf war es soweit.

 

Um 11.09 Uhr war unser Sohn, Johan, da. Mit 3620g, 54cm und 36cm Kopfumfang.

Mein Freund schnitt die Nabelschnur durch, was er sich vorher nicht zugetraut hätte.

Danach lagen wir noch 2 Stunden im Kreißsaal und meine Mutter ließ uns allein.

Insgesamt habe ich die Geburt sehr schön in Erinnerung. Klar, waren die Wehen schmerzhaft.

Allerdings habe ich sie mir noch schlimmer vorgestellt und würde das nächste Mal alles wieder so machen :)

 

Die Hebammen die Johan auf die Welt geholt haben waren so toll, lieb und geduldig.

Das war ganz viel wert, weil ich sehr großes Vertrauen in die Beiden hatte und es alles erleichtert hat.

Danke liebe Nathalie für deinen Bericht. 

Ich wünsche euch für die Zukunft alles Gute.

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