Geburtsbericht

Von Chris von Stylepeacock

Meine Wahrheit über das Kinderkriegen

KOMM ENDLICH, KIND!

Das Magnesium zeigte Wirkung. Die Wehen waren immer da, ein paar Fehlalarme stellten sich ein, aber kein Geburtsbeginn. Am 30. November sollte meine Sohnemann geboren werden. Mein Mann, mittlerweile im Job, musste den geplanten Urlaub verschieben. Fast täglich war ich nun in der Praxis.

Mein Sohn hatte bereits ein ordentliches Gewicht offenbar eine anständige Länge. Sein Po und eine Ferse stemmten sich so gegen die Bauchdecke, dass ich dachte, ich reiße einfach durch. Allerdings saß der Popo unten, wo er mir auch mächtig auf die Blase drückte. Und an den Schluckauf erinnere ich mich noch gut. Mein Sohn hatte ständig Schluckauf. Mein Riesenbaby hatte sich nicht gedreht. Platz dafür war eigentlich kaum mehr und  ich wollte doch partout eine ganz normale, natürliche Geburt. Seitliches Liegen zur Drehförderung wurde mir nun verordnet.

Eines Nachts dann wurde ich wach, weil ich dachte, ich hätte eine schleudernde Waschtrommel im Bauch oder ähnliches. Es rumorte, es beulte aus, es tat weh, es zog und zwickte und mache mir Angst, Dann war beängstigende Ruhe – bevor der mich erlösende Schluckauf meines Sohns wieder einsetzte. Er hatte ich gedreht, wenige Tage vor der Geburt und nach dem errechneten Termin. Dass dies bereits hätte ordentlich schief gehen können, erfuhr ich erst später bei der Geburt.

Am 8. Dezember sagte meine Frauenärztin, dass ich am nächsten Morgen ins Krankenhaus gehen sollte, um ein Doppler-Ultraschall durchführen zu lassen und ev. einen Wehenbelastungstest. Mir war eigentlich schon klar, dass ich das Krankenhaus nicht mehr ohne Baby verlassen würde, er war nun 10 Tage überfällig.

 

AUTSCH | WEHENTROPF

Aus dem Wehenbelastungstest wurde eine Einleitung, als die Herztöne anfingen zu schwächeln. So hatte ich von etwas morgens um 9h bis in die Abendstunden permanent und pausenlos Wehen. Mir wurde ständig schlecht und alles, was ich mir vorgestellt hatte oder was man mich in der Geburtsvorbereitung gelehrt hatte, was weggeblasen. Stundenlang saß ich zitternd auf einem Gymnastikball und dachte, dies ist das Fegefeuer – nur schlimmer. Eine PDA wollte ich trotzdem nicht. Irgendwann war ich so fertig, dass man mit mir hätte alles tun können, die Hauptsache das Kind kommt raus. Ich zitterte nur noch, bekam Sauerstoff und machte aber immer noch sarkastische Witze.

Die Hebamme ließ ein Bad ein, das sollte die letzte Phase nun beschleunigen. Ehe das Wasser eingelassen war, bekam ich starke Presswehen. Die Herztöne gingen unter, man spritzte Wehenhemmer, sagte, ich dürfe nicht pressen. Dann wieder doch… Diese Phase ist mit einem Schleier bedeckt. Sie sprengten die Fruchtblase, aber dann war da kein Wasser… Überall war Blut. Blutige Kittel, eine blutiges Liege, sogar die Wände waren voller Blut. Das habe ich noch mitbekommen, konnte aber nicht mehr denken. Mein Sohn schob seinen Kopf raus. Kaum war dieser zu sehen, schrieb er wie am Spieß. Er steckte zwischen meinen Beinen, halb geboren und schrie und schrie. Am 9. Dezember 1992 um 20.11 Uhr wurde Nelson geboren – nach 12 Stunden am Wehentropf.

Das Baby gleich auf den Bauch legen, selbst abnabeln? Fehlanzeige. Seine Nabelschnur reichte grade, um herauszukommen, er hatte bei seinem Weg durch den Geburtskanal die Plazenta abgerissen, daher das viele Blut. Dass ich beinahe gestorben wäre, war mir zu diesem Zeitpunkt nicht klar.

Kaum hatte ich meinen Sohn dann in den Armen, war alles vergessen.Perfekt gesund war er und bekam überall Höchstnoten – trotz der anstrengenden Geburt,. Ich hätte dies alles sofort ein zweites Mal durchgemacht – alles von vorn für ein solches Geschenk. 4kg und ein ordentlicher 38cm Kopf – aber dann an ein paar Zentimetern Nabelschnur sparen  (das Bild zeigt ihn nach der Geburt, noch ein bisschen verknautscht und zusammengedrückt) . Der bereits organisierte OP bleib leer. Da war er, mein Wunder, mein Wunschkind, mein Sohn.

Als ich ihn ansah, musste ich lachen, so lachen, dass die Leute wohl dachten, ich habe durch den Blutverlust den Verstand verloren. So gelacht habe ich, weil mein Sohn ein absolutes Abbild seines Vaters war (und ist). Ich sah ihn an und selbst die Lippe zog er einseitig ein wie sein Dad. Blonde dichte kurze, ein bisschen lockige Haare und durch und durch der Paps. „Ein Klon, er ist ein Klon“, das war das erste was ich sagte.

GEPLANTES KIND | NICHT GEPLANTES EINZELKIND

Egal, wie schwer die Geburt war, ein Kind zu bekommen, ist etwas so wunderbares. Vier Stück wünschte ich mir, aber das Leben geht nicht immer die Wege, die man sich vorstellt. Ein Einzelkind wollte ich nie, aber das ist er geblieben. Dies finde ich immer noch schade, aber da ich natürlich den besten Sohn der Welt habe :-D, entschädigt dies. Nun freue ich ich auf 4 Enkelkinder. Ach, das wäre toll – und eines Tages werde ich bestimmt welche haben, wenn vielleicht auch nicht vier, mein Sohn ist sehr familiär und wünscht sich später eigene Familie. Aber er soll erst einmal sein Studium fertig machen, seine Freiheit und sein Leben genießen. Aber wie es auch kommt, ihn zu bekommen, war die beste Entscheidung ever!

 

Den ganzen Bericht von Chris mit Vorgeschichte findet ihr HIER.

Danke liebe Chris, dass ich deinen Bericht auch auf meinem Blog veröffentlichen durfte. 

Für die Zukunft wünsche ich euch alles Gute.

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